Schwimmmeisterraum · Notfallkonzepte

Anaphylaxie

Verdacht auf eine schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie) bei Beschäftigten, Badegästen, Besuchern oder sonstigen anwesenden Personen – einschließlich Auftreten im Wasser, im Gastronomiebereich oder im Außenbereich.

NK-007SpezialbausteinMedizinische NotfälleVersion 1.0Stand 23.8.2026Standardbaustein · fachliche Prüfung erforderlichPflichtbaustein
BäderPraxisNK-007

Medizinische Notfälle

Anaphylaxie

ALLERGEN STOPPEN
112 · NOTFALLMEDIKATION UNTERSTÜTZEN

Plötzliche Hautreaktion, Schwellung, Atemnot oder Kreislaufprobleme

Anaphylaxie – schwere allergische Reaktion

Kann sehr schnell fortschreiten; schwere Verläufe sind auch ohne sichtbare Hautreaktion möglich.

Bewusstlosigkeit / Atmung

Bewusstlos – normale Atmung vorhanden

  1. Stabile Seitenlage, Atmung überwachen
  2. Notruf 112 sicherstellen
  3. Person nicht allein lassen
Stabile Seitenlage
Stabile Seitenlage: Kopf überstreckt, Mund nach unten

Bewusstlos – keine normale Atmung

  1. Sofort Reanimation nach NK-003 beginnen
  2. AED nach NK-004 einsetzen
  3. Notruf 112 sicherstellen
Herzdruckmassage
Mitte des Brustkorbs · Hände übereinander · Arme gestreckt · senkrecht drücken
1

Nassbereich

  • Person unter Eigenschutz unverzüglich aus dem Wasser bringen
  • Zustand und Atmung beurteilen
  • Bei schweren Symptomen sofort 112
  • Persönlichen Adrenalin-Autoinjektor anwenden bzw. Anwendung unterstützen
  • Keine normale Atmung: NK-003 / NK-004

Handeln

  • Auslöser stoppen / entfernen – ohne Eigengefährdung
  • Schwere Anaphylaxie erkennen
  • Notruf 112
  • Persönlichen Adrenalin-Autoinjektor unverzüglich anwenden bzw. Anwendung unterstützen
  • Symptomgerecht lagern
  • Bewusstsein und Atmung überwachen – Person nicht allein lassen
  • Keine normale Atmung: NK-003 / NK-004
Adrenalin-Autoinjektor (Anwendung)
Autoinjektor: senkrecht auf die Oberschenkel-Außenseite drücken

Lagerung

  • Atemnot: Oberkörper aufrecht / atemerleichternde Position – nicht flach hinlegen
  • Kreislaufprobleme: flach lagern, ggf. Beine anheben – nur wenn die Atmung dadurch nicht beeinträchtigt wird
  • Bewusstlos + normale Atmung: stabile Seitenlage, Atmung überwachen
  • Keine normale Atmung: NK-003 / NK-004

Notruf 112

sofort alarmieren bei

  • Atemnot
  • Schwellung von Zunge, Mund oder Rachen
  • Heiserkeit oder ausgeprägte Schluckbeschwerden
  • Kreislaufprobleme
  • Bewusstseinsstörung
  • Kollaps
  • Rasche Verschlechterung
  • Mehrere Organsysteme betroffen
  • Adrenalin-Autoinjektor bereits angewendet
  • Jeder Verdacht auf schwere Anaphylaxie

Nicht tun

  • Person nicht allein lassen.
  • Notruf bei schweren Symptomen nicht abwarten.
  • Keine fremden Medikamente geben.
  • Keine nicht verordneten Adrenalin-Autoinjektoren verwenden.
  • Person mit Atemnot nicht gegen ihren Widerstand flach hinlegen.
  • Nach deutlicher Besserung nicht weiterarbeiten oder weiterbaden lassen.

NK-007 · Version 1.0 · Stand 23.08.2026 · BäderPraxis

Fachliche Grundlagen im zugehörigen Fachkonzept.

Notfallkarte öffnen
Fachkonzept anzeigen

Entscheidungsweg bei Bewusstlosigkeit

Bewusstlos + normale Atmung vorhanden

  1. Stabile Seitenlage, Atmung fortlaufend überwachen
  2. Notruf 112 sicherstellen
  3. Person nicht allein lassen

Bewusstlos + keine normale Atmung

  1. Sofort Reanimation nach NK-003 beginnen
  2. AED nach NK-004 einsetzen
  3. Notruf 112 sicherstellen

1.Anwendungsfall

Dieser Baustein gilt bei Verdacht auf eine Anaphylaxie – eine plötzlich auftretende, schwere allergische Reaktion, die sehr schnell fortschreiten und lebensbedrohlich werden kann.

Betriebliches Erste-Hilfe-Personal stellt keine medizinische Diagnose. Maßgeblich ist der unmittelbar beobachtbare Zustand der Person: Haut, Schwellungen, Atmung, Kreislauf und Bewusstsein.

Wichtig: Eine schwere Anaphylaxie kann auch ohne deutlich sichtbare Hautreaktion auftreten. Fehlen Hautzeichen, zählen Atmung, Kreislauf und Bewusstsein.

2.Mögliche Anzeichen

Mögliche Zeichen einer Anaphylaxie:

  • Plötzlich auftretende Hautrötung, Quaddeln oder starker Juckreiz.
  • Schwellung von Lippen, Zunge oder Gesicht.
  • Engegefühl im Hals oder Schluckbeschwerden.
  • Heiserkeit.
  • Husten, pfeifende oder erschwerte Atmung.
  • Schwindel, Schwäche oder Kreislaufprobleme.
  • Übelkeit, Erbrechen oder Bauchbeschwerden.
  • Bewusstseinsstörung oder Kollaps.

Bereits die Kombination weniger Zeichen – insbesondere über mehrere Organsysteme hinweg (z. B. Haut plus Atmung oder Kreislauf) – gilt als Verdacht auf eine schwere Anaphylaxie.

3.Sofortmaßnahmen

  • Auslöser soweit möglich sofort stoppen beziehungsweise entfernen – ohne Eigengefährdung.
  • Anzeichen einer schweren Anaphylaxie erkennen (siehe „Mögliche Anzeichen“).
  • Sofort Notruf 112 – insbesondere bei Atemnot, Kreislaufproblemen, Schwellung im Mund-/Rachenbereich oder rascher Verschlechterung.
  • Persönlichen Adrenalin-Autoinjektor unverzüglich anwenden beziehungsweise bei der Anwendung unterstützen, wenn schwere anaphylaktische Symptome vorliegen.
  • Person symptomgerecht lagern (siehe „Lagerung“).
  • Bewusstsein und Atmung fortlaufend überwachen; Person beruhigen und nicht allein lassen.
  • Bei fehlender normaler Atmung sofort nach NK-003/NK-004 handeln; bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes bei der Person bleiben.

4.Lagerung

Die Lagerung richtet sich nach dem führenden Symptom – nicht nach einem starren Schema.

Atemnot:

  • Oberkörper aufrecht, atemerleichternde Position ermöglichen.
  • Nicht flach hinlegen, wenn dies die Atemnot verschlechtert.

Kreislaufprobleme:

  • Person möglichst flach lagern.
  • Beine gegebenenfalls anheben – nur wenn die Atmung dadurch nicht beeinträchtigt wird.

Bewusstlosigkeit:

  • Bei normaler Atmung: stabile Seitenlage, Atmung weiter überwachen.
  • Bei fehlender normaler Atmung: sofort Reanimation nach NK-003 beginnen, AED nach NK-004 einsetzen.

5.Adrenalin-Autoinjektor

Adrenalin ist die wichtigste Akutmaßnahme bei schwerer Anaphylaxie. Maßgeblich ist ausschließlich der für die betroffene Person vorgesehene beziehungsweise verordnete Autoinjektor; betriebliche Ersthelfende wenden ihn bei schweren anaphylaktischen Symptomen unverzüglich an beziehungsweise unterstützen die betroffene Person aktiv bei der Anwendung. Die Gabe mitgeführter, für die betroffene Person verordneter Notfallmedikamente ist nach den DGUV-Grundsätzen zur Ersten Hilfe eine Erste-Hilfe-Leistung und kann lebensrettend sein.

Falls ein persönlich verordneter Adrenalin-Autoinjektor vorhanden ist:

  • Anwendung nicht unnötig verzögern.
  • Anwendung nach Gerätevorgabe beziehungsweise dem persönlichen Notfallplan der betroffenen Person.
  • Anwendung in der Regel an der Außenseite des Oberschenkels.
  • Zeitpunkt der Anwendung merken und dem Rettungsdienst mitteilen.

Auf der Notfallkarte werden bewusst keine Dosierungsangaben dargestellt. Intravenöse Medikamentengaben und sonstige ärztliche Maßnahmen sind nicht Teil dieses Bausteins und bleiben dem Rettungsdienst vorbehalten.

6.Nicht tun

  • Person nicht allein lassen.
  • Notruf nicht abwarten, wenn schwere Symptome vorliegen.
  • Keine fremden Medikamente geben.
  • Keine nicht verordneten Adrenalin-Autoinjektoren verwenden.
  • Person mit Atemnot nicht gegen ihren Widerstand flach hinlegen.
  • Betroffene Person nach deutlicher Besserung nicht einfach weiterarbeiten oder weiterbaden lassen.

7.Bewusstlosigkeit und Atmung

Verliert die betroffene Person das Bewusstsein, entscheidet die Beurteilung der Atmung über die nächsten Schritte.

Normale Atmung vorhanden:

  • Stabile Seitenlage, Atmung fortlaufend überwachen.
  • Notruf 112 sicherstellen, sofern noch nicht geschehen.

Keine normale Atmung:

  • Sofort Reanimation nach NK-003 beginnen, AED nach NK-004 einsetzen.
  • Notruf 112 sicherstellen, sofern noch nicht geschehen.

8.Notruf 112

Bei Verdacht auf eine schwere Anaphylaxie wird der Rettungsdienst sofort alarmiert – auch dann, wenn bereits ein Adrenalin-Autoinjektor angewendet wurde oder eine Besserung eintritt. Die Wirkung des Autoinjektors kann nachlassen; ein zweiter Schub ist möglich.

Sofort alarmieren bei:

  • Atemnot.
  • Schwellung von Zunge, Mund oder Rachen.
  • Heiserkeit oder ausgeprägten Schluckbeschwerden.
  • Kreislaufproblemen.
  • Bewusstseinsstörung.
  • Kollaps.
  • Rascher Verschlechterung.
  • Mehreren betroffenen Organsystemen.
  • Bereits erfolgter Anwendung eines Adrenalin-Autoinjektors.
  • Jeder Situation mit Verdacht auf schwere Anaphylaxie.

9.Besonderheit Schwimmbad / Wasser

Mögliche Auslöser im Badbetrieb können unter anderem sein:

  • Insektenstiche im Außenbereich.
  • Nahrungsmittel im Gastronomiebereich.
  • Individuell bekannte Allergene.
  • Medikamente oder sonstige Stoffe.

Es wird keine pauschale Ursache unterstellt; für die Erste Hilfe zählt der beobachtbare Zustand der Person.

Bei Auftreten im Wasser:

  • Person unter Eigenschutz unverzüglich aus dem Wasser bringen.
  • Zustand und Atmung beurteilen.
  • Bei schweren Symptomen sofort 112.
  • Persönlichen Adrenalin-Autoinjektor anwenden beziehungsweise die Anwendung unterstützen.
  • Bei fehlender normaler Atmung nach NK-003/NK-004 handeln.

10.Übergabe an den Rettungsdienst

  • Zeitpunkt des Beginns und den Verlauf der Reaktion mitteilen.
  • Beobachtete Zeichen benennen (Haut, Schwellung, Atmung, Kreislauf, Bewusstsein).
  • Mutmaßlichen Auslöser ansprechen, sofern bekannt.
  • Anwendung eines Adrenalin-Autoinjektors mit Zeitpunkt mitteilen.
  • Einweisung des Rettungsdienstes am betrieblichen Einweisungspunkt sicherstellen.

11.Nachbereitung

  • Ereignis im betrieblichen Erste-Hilfe-System dokumentieren.
  • Eingesetzte Erste-Hilfe-Materialien prüfen und ergänzen.
  • Einsatz im Team nachbesprechen; Belastung der Einsatzkräfte beachten.
  • Erkenntnisse für Abläufe, Unterweisung und ggf. Allergenmanagement im Betrieb nutzen.

12.Betriebliche Ergänzungen

Folgende Angaben sind betriebsspezifisch zu hinterlegen (Stammdaten):

  • Interne Notrufnummer / interne Meldewege
  • Ersthelferorganisation
  • Rettungsdienstzufahrt
  • Einweisungspunkt Rettungsdienst
  • Erste-Hilfe-Einrichtungen
  • AED-Standorte
  • Interne verantwortliche Person

Sofern der Betrieb die Unterstützung persönlicher Anaphylaxie-Notfallsets vorsieht, ist hierfür eine gesonderte betriebliche Regelung mit klarer Zuständigkeit und nachgewiesener Einweisung zu hinterlegen.

Fachliche Grundlagen

  • AWMF S2k-Leitlinie 061-025: S2k-Leitlinie „Akuttherapie und Management der Anaphylaxie“ (DGAKI u. a.) · Version 3.0, Stand 31.01.2021 (Gültigkeit formal bis 30.01.2026; Nachfolgefassung in Überarbeitung, zum Prüfdatum 23.08.2026 noch nicht veröffentlicht) · Speziellere Fachleitlinie und führend für die anaphylaxiespezifischen Festlegungen dieses Bausteins: Adrenalin als wichtigste Akutmaßnahme (unverzügliche Selbst- beziehungsweise unterstützte Anwendung des persönlich verordneten Autoinjektors, in der Regel anterolateraler Oberschenkel), symptomgeleitete Lagerung (Atemnot aufrecht / Kreislauf flach, Beine nur ohne Atembelastung anheben), konsequente frühe Alarmierung auch nach Autoinjektor-Anwendung wegen möglicher zweiphasiger Verläufe. Die formale Gültigkeit der Fassung 2021 ist am 30.01.2026 ausgelaufen; eine Nachfolgefassung war zum Prüfdatum noch nicht veröffentlicht (AWMF-Register: „in Überarbeitung“). Bis zur Veröffentlichung bleibt die Fassung 2021 die jüngste publizierte deutsche Fachleitlinie und wird hier nicht als „aktuell gültig“ bezeichnet; ergänzend herangezogen werden der aktuelle GRC/ERC-Stand 2025 und die DGUV-Grundlagen zur Ersten Hilfe. Übernommen wurden ausschließlich Maßnahmen, die für betriebliche Ersthelfende geeignet sind; keine Dosierungen, keine ärztlichen Maßnahmen.
  • GRC/ERC Reanimationsleitlinien 2025: Reanimationsleitlinien 2025 des German Resuscitation Council (GRC) auf Grundlage der Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) einschließlich Erste-Hilfe-Kapitel · Veröffentlicht 22.10.2025 (Oktober 2025) · Aktueller Leitlinienzyklus: Erste-Hilfe-Empfehlung zur Anaphylaxie (sofortiger Notruf, Unterstützung der Selbstanwendung des eigenen Adrenalin-Autoinjektors) sowie Beurteilung von Bewusstsein und normaler Atmung mit Übergang zur Reanimation bei fehlender normaler Atmung. Nächste reguläre Aktualisierung vorgesehen 2030.
  • DGUV Information 204-007: DGUV Information 204-007 „Handbuch zur Ersten Hilfe“ · Ausgabe März 2023 (2023.03) · Betriebliche Erste-Hilfe-Grundlage, Kapitel „Akute Erkrankungen“ (allergische Reaktion / Anaphylaxie): Notruf, persönliches Notfallset der betroffenen Person nutzen beziehungsweise die Gabe der mitgeführten, verordneten Notfallmedikamente unterstützen – diese Gabe ist ausdrücklich Erste-Hilfe-Leistung und kann lebensrettend sein –, symptomgerechte Lagerung. Soweit nicht durch die speziellere Anaphylaxie-Leitlinie oder den aktuelleren ERC/GRC-Stand konkretisiert.
  • DGUV Information 204-006: DGUV Information 204-006 „Anleitung zur Ersten Hilfe“ · Ausgabe Januar 2023 · Weiterhin gültige Grundlage, soweit nicht durch die speziellere Anaphylaxie-Leitlinie oder den ERC/GRC-Leitlinienstand konkretisiert oder fortentwickelt.
  • DGUV Information 204-036: DGUV Information 204-036 „Erste-Hilfe Karte: Allgemeine Verhaltensregeln“ · Ausgabe Juli 2025 · Aktuelle betriebliche Erste-Hilfe-Darstellung der Rettungskette: Bewusstsein prüfen, Atmung prüfen, normale Atmung → stabile Seitenlage / Überwachung, keine normale Atmung → 112 / AED / Wiederbelebung.
  • DGUV Information 204-001: DGUV Information 204-001 „Erste Hilfe“ (Plakat, DIN A2) · Ausgabe Juli 2026 · Aktuelle plakative Darstellung der betrieblichen Rettungskette; dient der Konsistenzprüfung der Aushangfassung.
  • ArbSchG § 10: Arbeitsschutzgesetz § 10 „Erste Hilfe und sonstige Notfallmaßnahmen“ · jeweils geltende Fassung

Fachlicher Prüfstand: 23.8.2026