Schwimmmeisterraum · Notfallkonzepte

Schwere Verletzungen / starke Blutung

Starke, akute Blutung bei Beschäftigten, Badegästen, Besuchern oder sonstigen anwesenden Personen – einschließlich Nassbereich, Außenbereich, Gastronomie und Technik.

NK-008SpezialbausteinMedizinische NotfälleVersion 1.0Stand 23.8.2026Standardbaustein · fachliche Prüfung erforderlichPflichtbaustein
BäderPraxisNK-008

Medizinische Notfälle

Schwere Verletzungen / starke Blutung

BLUTUNG SOFORT STOPPEN
DIREKTEN DRUCK AUSÜBEN
NOTRUF 112

Starke Blutung – sie läuft weiter oder sickert durch die Abdeckung

Blutungsquelle sehen – direkten Druck ausüben – 112 rufen lassen

Jede Verzögerung vergrößert den Blutverlust; direkter Druck wirkt sofort.

1

Nassbereich

  • Person unter Eigenschutz unverzüglich aus dem Wasser bringen
  • Blutstillung trotz Nässe sofort beginnen – nicht aufschieben
  • Druck durchgehend halten – Material auflegen statt wechseln
  • Nach der Blutstillung zudecken, vor Auskühlung schützen
  • Blutkontaminiertes Material fachgerecht entsorgen, Hände desinfizieren

Handeln

  • Direkten Druck auf die Wunde ausüben – mit Verbandstoff oder sauberem Tuch, beide Hände
  • Notruf 112 rufen oder rufen lassen – nicht abwarten
  • Eigenschutz: Einweghandschuhe, soweit ohne Unterbrechung möglich
  • Druck fest und ununterbrochen halten – nicht lockern, um nachzusehen
  • Sickert Blut durch: Material auflegen, Druck erhöhen – untere Schicht bleibt
  • Druckverband anlegen, sobald Verbandmaterial verfügbar ist
  • Person hinlegen, Wunde ruhigstellen, zudecken
  • Bewusstsein und Atmung fortlaufend kontrollieren
Direkter Druck auf die Wunde
Direkter Druck: beide Hände, mit Tuch oder Verbandstoff, ohne Unterbrechung

Druckverband anlegen

  • Verbandpäckchen oder sauberes Polster direkt auf die Wunde legen
  • Straff und gleichmäßig um die verletzte Stelle wickeln
  • Straff fixieren – Blutstillung kontrollieren.
  • Sickert Blut durch: weiteres Material aufwickeln – Verband nicht abnehmen
Druckverband anlegen
Druckverband: Polster auf die Wunde, straff wickeln, Durchblutung prüfen

Notruf 112

sofort alarmieren bei

  • Stark spritzende oder pulsierende Blutung
  • Blutung mit direktem Druck nicht kontrollierbar
  • Große, tiefe oder stark durchblutete Wunden
  • Blutverlustzeichen: blass, kaltschweißig, unruhig, benommen
  • Starke Blutung an Kopf, Hals, Brust oder Bauch
  • Verdacht auf innere Verletzungen

Nicht tun

  • Druck nicht lockern, um die Wunde zu kontrollieren.
  • Nichts auf die Wunde streuen oder auftragen (keine Salben, Puder, Hausmittel).
  • Eingedrungene Fremdkörper nicht herausziehen.
  • Tourniquet nur bei lebensbedrohlicher, mit direktem Druck nicht kontrollierbarer Extremitätenblutung einsetzen.
  • Person nicht aufsetzen, herumführen oder allein lassen.
  • Keine Speisen oder Getränke geben (mögliche Narkose).

TOURNIQUET BEI LEBENSBEDROHLICHER, MIT DIREKTEM DRUCK NICHT KONTROLLIERBARER BLUTUNG

  • nur bei lebensbedrohlicher Blutung an Arm oder Bein
  • wenn direkter manueller Druck die Blutung nicht kontrolliert
  • oberhalb der Verletzung und nicht über einem Gelenk anlegen
  • festziehen, bis die Blutung stoppt
  • Anlagezeit dokumentieren
  • anschließend nicht eigenständig lockern oder entfernen

Fremdkörper / Amputation

  • Eingedrungene Fremdkörper stecken lassen – nicht herausziehen
  • Fremdkörper ringsum fixieren, Druck neben der Wunde ausüben
  • Abgetrennte Teile sauber, kühl, trocken mitgeben – nie direkt auf Eis oder in Wasser
  • Großflächige Wunden locker abdecken – nichts zurückschieben

NK-008 · Version 1.0 · Stand 23.08.2026 · BäderPraxis

Fachliche Grundlagen im zugehörigen Fachkonzept.

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1.Anwendungsfall

Dieser Baustein gilt bei starken Blutungen – unabhängig davon, ob sie durch Schnitte, Stürze, Kanten, Geräte oder sonstige Verletzungen entstanden sind. Eine starke, nicht gestillte Blutung ist unmittelbar lebensbedrohlich.

Betriebliches Erste-Hilfe-Personal stellt keine medizinische Diagnose. Maßgeblich ist der unmittelbar beobachtbare Befund: Wo blutet es, wie stark, und lässt sich die Blutung mit direktem Druck stillen?

Die wirksamste Sofortmaßnahme ist der direkte, ununterbrochene Druck auf die Wunde. Jede Verzögerung vergrößert den Blutverlust – die Blutstillung beginnt sofort, die Alarmierung läuft parallel.

2.Mögliche Anzeichen

Anzeichen einer starken, behandlungsbedürftigen Blutung:

  • Blut fließt kräftig, quellend oder pulsierend (schlagartig) aus der Wunde.
  • Blut sickert trotz erster Abdeckung durch.
  • Kleidung, Tuch oder Untergrund sind bereits stark durchblutet.
  • Tiefe oder großflächige Wunde, z. B. nach Schnitt, Sturz oder Kontakt mit Geräten.
  • Blutungsquelle an Arm, Bein, Kopf oder Rumpf erkennbar.
  • Betroffene Person wird zunehmend blass, kaltschweißig, unruhig oder benommen (Zeichen zunehmenden Blutverlusts).
  • Bereits großer Blutverlust: immer lebensbedrohlich – sofort handeln.

3.Sofortmaßnahmen

  • Direkten Druck auf die Wunde ausüben – sofort, mit Verbandstoff oder sauberem Tuch, mit beiden Händen.
  • Notruf 112 rufen oder rufen lassen – bei starker Blutung nicht abwarten.
  • Eigenschutz: Einweghandschuhe anziehen, soweit ohne Unterbrechung der Blutstillung möglich.
  • Druck fest und ununterbrochen halten – nicht lockern, um nachzusehen.
  • Sickert Blut durch: zusätzliches Material auflegen und Druck erhöhen – die untere Schicht nicht abnehmen.
  • Druckverband anlegen, sobald Verbandmaterial verfügbar ist.
  • Person hinlegen, verletzte Körperstelle ruhigstellen, zudecken.
  • Bewusstsein und Atmung fortlaufend kontrollieren – Person nicht allein lassen.

4.Blutstillung: direkter Druck und Druckverband

Der direkte Druck auf die Wunde ist die wirksamste Sofortmaßnahme und wird ohne Unterbrechung gehalten. Der Druckverband ist die Standardmaßnahme zur dauerhaften Blutstillung, sobald Verbandmaterial verfügbar ist – er ersetzt den Handdruck, entbindet aber nicht von der fortlaufenden Beobachtung.

Druckverband anlegen:

  • Verbandpäckchen oder sauberes Polster direkt auf die Wunde legen.
  • Straff und gleichmäßig um die verletzte Stelle wickeln.
  • Straff fixieren – Blutstillung kontrollieren.
  • Sickert Blut durch: weiteres Material aufwickeln – den Verband nicht abnehmen.

5.TOURNIQUET BEI LEBENSBEDROHLICHER, MIT DIREKTEM DRUCK NICHT KONTROLLIERBARER BLUTUNG

Ein Tourniquet (Abbindesystem) kommt nur bei lebensbedrohlicher Blutung an Arm oder Bein zum Einsatz, die mit direktem manuellen Druck nicht kontrolliert werden kann. Es ist keine Standardmaßnahme, sondern eine gezielte Eskalation, wenn die wirksamste Sofortmaßnahme versagt.

Nur bei dieser lebensbedrohlichen Extremitätenblutung:

  • nur bei lebensbedrohlicher Blutung an Arm oder Bein
  • wenn direkter manueller Druck die Blutung nicht kontrolliert
  • oberhalb der Verletzung und nicht über einem Gelenk anlegen
  • festziehen, bis die Blutung stoppt
  • Anlagezeit dokumentieren
  • anschließend nicht eigenständig lockern oder entfernen

6.Fremdkörper und Amputation

  • Eingedrungene Fremdkörper (z. B. Glas, Splitter) stecken lassen – nicht herausziehen.
  • Fremdkörper mit sauberem Material ringsum fixieren; Druck neben der Wunde ausüben.
  • Abgetrennte Körperteile sauber, kühl und trocken mitgeben (in sauberen Beutel, diesen gekühlt) – niemals direkt auf Eis oder in Wasser legen.
  • Großflächige Wunden locker abdecken – nichts zurückschieben oder zurechtrücken.

7.Nicht tun

  • Druck nicht lockern, um die Wunde zu kontrollieren.
  • Nichts auf die offene Wunde streuen oder auftragen (keine Salben, Puder oder Hausmittel).
  • Eingedrungene Fremdkörper nicht herausziehen.
  • Tourniquet nur bei lebensbedrohlicher, mit direktem Druck nicht kontrollierbarer Extremitätenblutung einsetzen.
  • Person nicht aufsetzen, herumführen oder allein lassen.
  • Keine Speisen oder Getränke geben (mögliche Operation/Narkose).

8.Bewusstlosigkeit und Atmung

Verliert die betroffene Person das Bewusstsein, entscheidet die Beurteilung der Atmung über die nächsten Schritte. Die Blutstillung wird dabei nicht unterbrochen.

Normale Atmung vorhanden:

  • Stabile Seitenlage, soweit die Blutstillung dies zulässt; Atmung fortlaufend überwachen.
  • Notruf 112 sicherstellen, sofern noch nicht geschehen.

Keine normale Atmung:

  • Sofort Reanimation nach NK-003 beginnen, AED nach NK-004 einsetzen.
  • Notruf 112 sicherstellen, sofern noch nicht geschehen.

9.Notruf 112

Eine starke Blutung ist immer ein Notfall. Der Rettungsdienst wird sofort alarmiert – nicht erst nach abgeschlossener Blutstillung. Nachbetreuung und ärztliche Versorgung sind auch bei scheinbar gestillten starken Blutungen erforderlich.

Sofort alarmieren bei:

  • Stark spritzender oder pulsierender Blutung.
  • Blutung, die sich mit direktem Druck nicht kontrollieren lässt.
  • Großen, tiefen oder stark durchbluteten Wunden.
  • Anzeichen von Blutverlust: Blässe, Kaltschweißigkeit, Unruhe, Benommenheit.
  • Starker Blutung an Kopf, Hals, Brust oder Bauch.
  • Verdacht auf innere Verletzungen.

10.Besonderheit Schwimmbad / Wasser

Im Nassbereich gilt zusätzlich:

  • Person unter Eigenschutz unverzüglich aus dem Wasser bringen und auf einer trockenen, rutschsicheren Fläche lagern.
  • Blutstillung trotz Nässe sofort beginnen – nasse Haut oder Kleidung sind kein Grund, den direkten Druck aufzuschieben.
  • Druck durchgehend halten, auch wenn Tücher nass sind – Material auflegen statt wechseln.
  • Nach der Blutstillung zudecken und vor Auskühlung schützen (Blutverlust erhöht das Unterkühlungsrisiko).
  • Blutkontaminiertes Material nach betrieblicher Vorgabe entsorgen; Hände gründlich reinigen und desinfizieren.

Rutschgefahr durch Blut und Wasser auf dem Beckenrand beachten: Umgebung sichern, weitere Badegäste fernhalten, Bereich nach dem Ereignis nach betrieblicher Vorgabe reinigen und desinfizieren.

11.Übergabe an den Rettungsdienst

  • Lage und Art der Verletzung sowie die geschätzte Blutungsstärke mitteilen.
  • Durchgeführte Maßnahmen benennen: direkter Druck, Druckverband, ggf. Tourniquet mit Zeitpunkt der Anlage.
  • Beobachtete Veränderungen von Bewusstsein und Atmung mitteilen.
  • Abgetrennte Körperteile gekühlt und gekennzeichnet übergeben.
  • Einweisung des Rettungsdienstes am betrieblichen Einweisungspunkt sicherstellen.

12.Nachbereitung

  • Ereignis im betrieblichen Erste-Hilfe-System dokumentieren (Verbandbuch).
  • Verbrauchtes Erste-Hilfe-Material sofort ersetzen; Tourniquet-Verfügbarkeit prüfen, sofern betrieblich vorgesehen.
  • Verunreinigte Flächen nach betrieblicher Vorgabe reinigen und desinfizieren.
  • Einsatz im Team nachbesprechen; Belastung der Einsatzkräfte beachten (betriebliche Nachsorge).

13.Betriebliche Ergänzungen

Folgende Angaben sind betriebsspezifisch zu hinterlegen (Stammdaten):

  • Interne Notrufnummer / interne Meldewege
  • Ersthelferorganisation
  • Rettungsdienstzufahrt
  • Einweisungspunkt Rettungsdienst
  • Erste-Hilfe-Einrichtungen (Verbandmaterial, ggf. Tourniquet)
  • Interne verantwortliche Person

Sofern der Betrieb ein Tourniquet bereithält, sind Standort, Zuständigkeit und die Einweisung der Ersthelfer hierfür gesondert betrieblich zu regeln; die Anlage bleibt die letzte Eskalationsstufe nach diesem Baustein.

Fachliche Grundlagen

  • DGUV Information 204-007: DGUV Information 204-007 „Handbuch zur Ersten Hilfe“ · Ausgabe März 2023 (2023.03) · Führende betriebliche Erste-Hilfe-Grundlage, Kapitel „Verletzungen“ (Wunden und Blutungen, Kopf-, Brustkorb- und Bauchverletzungen): direkter Druck als wirksamste Sofortmaßnahme, Druckverband als Standardmaßnahme, Fremdkörper stecken lassen und ringsum fixieren, abgetrennte Körperteile kühl/trocken mitgeben, Tourniquet bei lebensbedrohlicher, mit direktem Druck nicht kontrollierbarer Extremitätenblutung. Abruf 23.08.2026.
  • DGUV Information 204-006: DGUV Information 204-006 „Anleitung zur Ersten Hilfe“ · Ausgabe Januar 2023 · Weiterhin gültige Grundlage zur Blutstillung (direkter Druck, Druckverband, Verhalten bei Fremdkörpern), soweit nicht durch den aktuelleren ERC/GRC-Stand konkretisiert.
  • ERC Guidelines 2025 – First Aid: European Resuscitation Council Guidelines 2025 – First Aid, Abschnitt „Control of life-threatening bleeding“ · Veröffentlicht 2025 · Zunächst fester direkter manueller Druck; Verband bzw. hämostatisches Verbandmaterial möglich; nach Blutstillung Druckverband; Tourniquet bei lebensbedrohlicher Extremitätenblutung, die mit direktem Druck nicht kontrolliert wird; Anlagezeit dokumentieren; nicht eigenständig lockern oder entfernen.
  • DGUV Information 204-036: DGUV Information 204-036 „Erste-Hilfe Karte: Allgemeine Verhaltensregeln“ · Ausgabe Juli 2025 · Aktuelle betriebliche Erste-Hilfe-Darstellung der Rettungskette: Eigenschutz, Notruf 112, Wiederbelebungsmaßnahmen bei fehlender normaler Atmung – hier eingebettet als Übergang zu NK-003/NK-004.
  • DGUV Information 204-001: DGUV Information 204-001 „Erste Hilfe“ (Plakat, DIN A2) · Ausgabe Juli 2026 · Aktuelle plakative Darstellung der betrieblichen Rettungskette; dient der Konsistenzprüfung der Aushangfassung.
  • ArbSchG § 10: Arbeitsschutzgesetz § 10 „Erste Hilfe und sonstige Notfallmaßnahmen“ · jeweils geltende Fassung

Fachlicher Prüfstand: 23.8.2026